Was steckt hinter dieser Sicherheit? Dies ist nur möglich, wenn bei der Gebäudeplanung die richtigen Bauteile mit passenden Feuerwiderstandsklassen ausgewählt wurden. Genau hier zeigt sich, wie wichtig fundierte Kenntnisse über Feuerwiderstandsklassen sind und welche Informationen sie über Bauteile liefern können.
Was sind Feuerwiderstandsklassen?
Feuerwiderstandsklassen geben an, wie lange Bauteile wie Wände, Decken oder Türen im Brandfall ihre Funktion behalten und dem Feuer standhalten können. Sie sind ein zentraler Bestandteil der Gebäudeplanung, denn sie helfen, Gebäude widerstandsfähig zu gestalten, Flucht- und Rettungswege zu sichern und im Ernstfall Leben und Sachwerte bestmöglich zu schützen.
Achtung: Nicht zu verwechseln mit Brandklassen und Brandschutzklassen! Wenn Sie den Unterschied erfahren möchten, lesen Sie den Blogbeitrag: Brandklassen verstehen und Löschmittel richtig einsetzen
Wo sind die Feuerwiderstandsklassen zu finden?
In Deutschland sind die Feuerwiderstandsklassen in der DIN 4102-2 festgelegt. Diese klassifizieren Bauteile in fünf Stufen anhand ihrer Standfestigkeit und Funktionstüchtigkeit. Zusätzlich gibt es die europäische Norm DIN EN 13501-2, die das System durch detaillierte Leistungskriterien erweitert und neun Stufen definiert.
Die deutsche DIN 4102-2 ist nach wie vor weit verbreitet, wird jedoch zunehmend durch die europäische Norm ersetzt.

Feuerwiderstandsklassen nach DIN 4102-2
Gemäß DIN 4102-2 werden Bauteile in Minutenklassen von 30 bis 180 Minuten eingestuft. Dies beschreibt die Dauer, die das Bauteil bei einem Brand standhalten kann. Die Tabelle gibt eine Übersicht dieser Norm mit dem Buchstabenbeispiel F. Dieser steht für Bauteile wie Wände, Decken, Stützen, Treppen und Unterzüge.
Für weitere Bauteile gelten folgende Buchstaben mit gleicher Feuerwiderstandsdauer und bauaufsichtlicher Benennung:
G: Brandschutzverglasung, Fenster
I: Installationsschächte und -kanäle
K: Absperrungen in Lüftungsleitungen
L: Lüftungsanlagen
S: Kabelabschottungen
T: Feuerschutzabschlüsse wie Brandschutztüren, -tore und -rollläden
Feuerwiderstandsklassen nach DIN EN 13501-2
Die europäische Norm DIN EN 13501-2 ist umfangreicher und unterteilt die Feuerwiderstandsklassen in neun Stufen von 15, 20, 30, 45, 60, 90, 120, 180 bis 240 Minuten. Zusätzlich gelten Leistungskriterien, die mit Buchstaben bezeichnet werden.
Beispielsweise bedeutet REI 60 bei einer Brandschutzwand, dass Tragfähigkeit, Raumabschluss und Wärmedämmung im Brandfall mindestens 60 Minuten lang gewährleistet sind.
Die europäische Norm ermöglicht eine detaillierte und einheitliche Beurteilung für Planer und Betreiber, insbesondere bei der Arbeit mit internationalen Projekten.

Warum gibt es unterschiedliche Feuerwiderstandsklassen?
Die Einführung von Feuerwiderstandsklassen ist notwendig, da Bauteile verschiedene Funktionen haben und somit auch unterschiedlich belastbar sind. Durch die einheitliche Klassifizierung wird ein europaweiter Standard gewährleistet.
Fehler bei der Auswahl oder beim Einsatz ungeeigneter Bauteile können zu teuren und lebensgefährlichen Situationen führen. Deshalb nutzen viele Unternehmen digitale Lösungen wie KEVOX. Damit lassen sich Mängel, Prüfungen und Dokumentationen transparent und nachvollziehbar verwalten. So stellen Sie sicher, dass Vorgaben eingehalten werden und im Ernstfall alles rechtssicher nachgewiesen werden kann.

Was ist der Unterschied zwischen feuerhemmend und feuerbeständig?
Die beiden Begriffe klingen ähnlich, sind aber unterschiedlich in ihrer Bedeutung.
„Feuerhemmend” bedeutet, dass sich die Ausbreitung eines Feuers für einen kurzen Zeitraum von 30 bis 60 Minuten verzögert, bevor es seine Funktion verliert.
„Feuerbeständig” bedeutet hingegen, dass die Ausbreitung eines Brandes für einen deutlich längeren Zeitraum von 90 bis 180 Minuten verhindert wird.
Checkliste: Ist Ihr Betrieb ausreichend geschützt?
Unsere Checkliste hilft Ihnen, Brandschutzrisiken frühzeitig zu erkennen, Nachweise zu prüfen und die Sicherheit Ihrer Gebäude nachhaltig zu gewährleisten.

Wie werden Bauteile nach Feuerwiderstandsklassen getestet?
Damit Bauteile eine Feuerwiderstandsklasse gemäß DIN EN 13501 erhalten, müssen sie Prüfverfahren durchlaufen, die von akkreditierten Instituten durchgeführt werden. Dazu werden sie in speziellen Brandöfen geprüft und einer standardisierten Temperatur-Zeit-Kurve ausgesetzt, die ein reales Brandgeschehen nachbildet.
Während des Tests wird geprüft, ob das Bauteil seine Funktionen über die geforderte Zeit hinweg erfüllt. Es wird unter anderem bewertet, ob die Konstruktion unter der Last versagt, Flammen oder Rauch auf die unbeflammte Seite übertreten und die Temperaturgrenzwerte überschritten werden. Sensoren erfassen dabei kontinuierlich die Temperaturen, Verformungen und mögliche Durchbrüche. Erst wenn das Bauteil alle Anforderungen erfüllt, erhält es die entsprechende Klassifizierung. Nach bestandener Prüfung wird eine Zertifizierung ausgestellt, die den Sicherheitsstandard bestätigt.
Haben alle Bauteile eine Feuerwiderstandsklasse?
Nicht jedes Bauteil ist mit einer Feuerwiderstandsklasse gekennzeichnet. Die Notwendigkeit einer Feuerwiderstandsklasse hängt von der Landesbauordnung, der Gebäudeklasse sowie von der jeweiligen Bauteilfunktion im Gebäude ab. Beispielsweise müssen tragende Elemente und raumabschließende Wände klassifiziert sein und bestimmte Anforderungen erfüllen.
Die Gebäudeklasse spielt dabei immer eine Rolle: Handelt es sich um ein kleines Wohnhaus oder einen großen Bürokomplex? Wenn Sie mehr über Gebäudeklassen im Brandschutz erfahren möchten, lesen Sie gerne folgenden Blogbeitrag: Brandschutz und Gebäudeklassen: Was Sie wissen müssen
