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IP-Schutzarten und Schutzklassen: was Sie darüber wissen müssen!

Darf der Drucker hier einfach stehen bleiben? Welche Arbeitslampe ist auf der Baustelle wirklich geeignet? Schnell heißt es dann: „Nehmen wir einfach die“. Doch oft werden Kennzeichnungen wie IP20 auf den Geräten übersehen und schon stellt sich die Frage: Was bedeutet das überhaupt?

Verfasst von: Tanja Hagelganz

Veröffentlicht: 25/08/2025

Aktualisiert: 26/08/2025

Genau diese Kennzeichnungen sind entscheidend, um elektrische Betriebsmittel im Arbeitsalltag korrekt auszuwählen und sicher einzusetzen. Die IP-Schutzarten und die Symbole der Schutzklassen geben klare Hinweise, die Arbeitssicherheit der Mitarbeitenden zu gewährleisten und zugleich Geräte sowie die Umgebung zu schützen. Andernfalls kann ein unsachgemäßer Einsatz zu Stromschlägen, Kurzschlüssen oder Wasserschäden führen.

Was sind IP-Schutzarten?

Die Abkürzung IP ist in den Normen als „International Protection“ bzw. „Ingress Protection“ definiert und beschreibt, wie gut das Gehäuse eines elektrischen Geräts vor dem Eindringen von Fremdkörpern und Feuchtigkeit schützt. IP-Schutzarten geben damit eine klare Orientierung, wie zuverlässig ein Betriebsmittel gegenüber äußeren Einflüssen abgesichert ist.

Für Verantwortliche in der Arbeitssicherheit schaffen IP-Schutzarten eine klare Entscheidungsgrundlage. Denn Sie helfen, Risiken durch falsche Geräteeinsätze zu vermeiden und die Sicherheit von Menschen und Sachwerten nachhaltig zu gewährleisten.

Weitere praxisnahe Hinweise zur sicheren Handhabung elektrischer Betriebsmittel und zur Einhaltung der Arbeitsschutzvorschriften finden Sie hier: Arbeitsschutz: Elektrische Anlagen und Betriebsmittel prüfen

Wer legt IP-Schutzarten fest?

Die IP-Schutzarten sind in internationalen und europäischen Normen verbindlich festgelegt. Die DIN EN 60529 gilt europaweit für Schutzarten elektrischer Betriebsmittel und beschreibt den Aufbau der IP-Codes und die dazugehörigen Prüfverfahren. Für spezielle Einsatzbereiche, etwa die Automobilindustrie, gilt die ISO 20653.

Hersteller elektrischer Geräte sind verpflichtet, ihre Produkte entsprechend dieser Normen zu prüfen und zu kennzeichnen. Für Betriebe bedeutet das: Sie können sich auf die IP-Angaben verlassen und passende Betriebsmittel für ihre jeweilige Arbeitsumgebung auswählen und den gesetzlichen Arbeitsschutzvorgaben zu entsprechen.

In der Praxis zeigt sich jedoch, dass Vorgaben nur mit klaren Strukturen und dokumentierten Prozessen zuverlässig umzusetzen sind. Viele Unternehmen setzen deshalb auf digitale Lösungen wie KEVOX, um Kennzeichnungen, Prüfungen und Nachweise zentral zu verwalten. Das sorgt nicht nur für mehr Transparenz, sondern gewährleistet auch rechtssichere Abläufe und eine lückenlose Dokumentation.

Wie erkenne ich die IP-Schutzart?

Die Kennzeichnung erfolgt durch die Buchstaben „IP“ und einer zweistelligen Ziffernkombination. Die erste Ziffer beschreibt den Schutz gegen Berührung und Fremdkörper, die zweite den Schutz gegen Wasser.

Damit lässt sich auf einen Blick erkennen, ob ein Gerät für den Einsatz in trockenen Innenräumen geeignet ist oder ob es auch in anspruchsvollen Industrieumgebungen sicher betrieben werden kann.

Wofür steht ein X in der IP-Kennzeichnung?

Tritt in einer IP-Kennung ein „X“ anstelle einer Ziffer auf, bedeutet dies, dass für diesen Schutzbereich keine Bewertung vorliegt. Bei IPX7 beispielsweise ist nur der Wasserschutz angegeben, während der Schutz gegen Fremdkörper unbewertet bleibt.

Welche IP-Schutzarten gibt es?

Die erste Kennziffer des IP-Codes reicht von 0, also keinerlei Schutz, bis zur vollständigen Dichtigkeit mit der Kennzahl 6. Die zweite Kennziffer reicht ebenfalls von 0 ohne Schutz bis zur Kennzahl 9, die für Widerstand gegen Strahlwasser oder Hochdruckreinigung steht.

Für die Arbeitssicherheit sind diese Abstufungen entscheidend. In einer trockenen Verwaltungsumgebung reicht oft ein niedriger IP-Schutz, während auf Baustellen, in Werkstätten oder Produktionshallen hohe Anforderungen an Staub- und Wasserdichtigkeit erfüllt sein müssen. Damit stellen IP-Schutzarten sicher, dass Betriebsmittel zuverlässig und sicher eingesetzt werden können.

Was ist der Unterschied zwischen Schutzart und Schutzklasse?

Die Begriffe werden oft verwechselt, beschreiben jedoch unterschiedliche Aspekte der Sicherheit. Die IP-Schutzarten geben an, wie gut ein Gerät von außen gegen Staub, Berührung oder Feuchtigkeit geschützt ist. Die Schutzklassen hingegen beziehen sich auf die inneren Sicherheitsmaßnahmen eines Geräts, also darauf, wie es vor gefährlichen Spannungen geschützt wird.

Dabei gibt es drei wesentliche Kategorien, die festlegen, ob eine Erdung vorhanden ist, eine verstärkte Isolation genutzt wird oder das Gerät mit Schutzkleinspannung betrieben werden darf, um Nutzer vor einem elektrischen Schlag zu schützen.

Warum sind IP-Schutzarten und Schutzklassen wichtig?

IP-Schutzarten und Schutzklassen sind entscheidend für Sicherheit, Zuverlässigkeit und Langlebigkeit elektrischer Geräte. Sie schützen nicht nur die Technik, sondern vor allem Mitarbeitende vor Stromschlägen, Kurzschlüssen oder Wasserschäden. Gleichzeitig tragen sie dazu bei, Ausfälle zu vermeiden, Wartungskosten zu senken und die gesetzlichen Anforderungen im Arbeitsschutz zu erfüllen.

Die IP-Schutzart sowie die Schutzklasse eines Gerätes sind in den technischen Daten, Bedienungsanleitung, auf der Verpackung oder auf der Webseite des Herstellers angegeben.

Welche Schutzklassen gibt es und wer legt sie fest?

Die drei Schutzklassen sind in der DIN EN 61140 sowie in der VDE 0140-1 definiert und durch Symbole gekennzeichnet.

Schutzklasse I

Geräte dieser Klasse verfügen über eine Basisisolierung und einen Schutzleiter. Alle berührbaren Metallteile sind geerdet, sodass im Falle eines Fehlers sich die Sicherung auslöst und das Gerät abgeschaltet wird. Typische Beispiele sind Küchengeräte wie Wasserkocher oder größere Elektrowerkzeuge.

Merkhilfe: Das Symbol zeigt ein Erdungszeichen und steht damit für die Schutzklasse 1.

Schutzklasse II

Diese Geräte sind doppelt oder verstärkt isoliert und benötigen keinen Schutzleiter, selbst bei leitenden Oberflächen. Beispiele sind Handbohrmaschinen, Haartrockner oder Radios.

Merkhilfe: Zwei Quadrate stehen für doppelten Schutz und kennzeichnen die Schutzklasse 2.

Schutzklasse III

In dieser Klasse arbeiten Geräte mit Schutzkleinspannungen wie Protective Extra Low Voltage (PELV) oder Safety Extra Low Voltage (SELV). Sie benötigen weder Schutzleiter noch doppelte Isolierung und werden häufig bei Ladegeräten, LED-Leuchten oder bestimmte Messgeräte eingesetzt.

Merkhilfe: Eine Raute mit der römischen III steht für Geräte mit Schutzkleinspannung und steht für die Schutzklasse 3.

HINWEIS: Geräte der Schutzklasse 0 bieten lediglich eine Basisisolierung ohne weiteren Schutz gegen elektrischen Schlag. In Deutschland und Österreich sind solche Geräte nicht zugelassen, da sie nicht den heutigen Sicherheitsstandards entsprechen.

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    Wo sind IP-Schutzarten und Schutzklassen erforderlich?

    Die Wahl der passenden IP-Schutzart und Schutzklasse ist entscheidend, um Geräte zuverlässig und sicher im jeweiligen Einsatzbereich betreiben zu können. Dabei gilt: Je rauer die Umgebung oder je höher die Berührungsgefahr, desto höher sollte der Schutzstandard sein.

    • Büros und Verwaltungsgebäude: Geräte wie PCs, Drucker oder Beleuchtungssysteme benötigen meist Schutzklasse II und eine IP-Schutzart ab IP20, um vor Staub und unabsichtlichem Kontakt zu schützen.
    • Werkstätten und Produktionshallen: Elektrowerkzeuge, Maschinen oder Schaltschränke sind höheren mechanischen Belastungen und Staub ausgesetzt. Hier sind Schutzklasse I oder II und IP-Schutzarten ab IP44 bis IP65 relevant.
    • Feuchte oder nasse Umgebungen: In Sanitärbereichen, Außenanlagen oder Produktionsbereichen mit Spritzwasser müssen Geräte mindestens IP44 oder höher aufweisen, während in starker Wasserbelastung (z. B. Unterwasserpumpen) IP67 oder IP68 erforderlich ist.
    • Außen- und Installationsbereiche: Beleuchtung, Steuerungen oder Sensorik im Außenbereich benötigen eine Kombination aus geeigneter Schutzklasse und Schutzart, um sowohl Berührungsschutz als auch Schutz gegen Regen, Schnee oder Staub sicherzustellen.

    Die richtige Wahl reduziert nicht nur die Ausfallrisiken und Wartungskosten, sondern schützt auch Mitarbeitende vor Stromschlägen und anderen Gefahren. Unternehmen sichern damit sowohl die Betriebssicherheit als auch die rechtlichen Anforderungen an den Arbeitsschutz ab.

    Autor

    Tanja Hagelganz

    Seit mehr als einem Jahrzehnt widmet sich Tanja Hagelganz mit Leidenschaft der digitalen Dokumentation in den Bereichen Brandschutz, Arbeitssicherheit und Facility Management – eine Mission, die sie mit Innovation und Fachwissen vorantreibt.

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